Auszug aus der Fachzeitschrift DIGIT 5/2017 | 3D-SCANNER FÜR IMMOBILIEN

Matterport hat eine innovative Lösung für die dreidimensionale 360-Grad-Visualisierung von Immobilien entwickelt. Stefan Steib war bei einem "Haus-Scan" dabei und klopft das Konzept auf seine Business-Tauglichkeit für Architekturfotografen ab.

Als die US-Firma Matterport im Jahr 2011 in Kalifornien gegründet wurde, waren die ersten 3D-VR-Scanner noch Prototypen, die für die Investoren gezeigt wurden, und noch nicht besonders aufregend. Nicht wenige dachten, auch das wäre eines der vielen Start-ups, die nach ein, zwei Finanzierungsrunden wieder verschwinden würden. 2014 dann, nach etlichen Patentanmeldungen und viel investiertem Geld, brachte Matterport die erste Version ihrer Pro-3D-Kamera heraus, die schon die wesentlichen Merkmale der jetzt seit Spätsommer 2017 erhältlichen Matterport Pro 3D Version 2 (4K) beinhaltete.

Aber erst mit dieser neuen V2 entfaltet sich die volle Marketing- und Vertriebsseite des Konzepts auch international. Die Software läuft immer runder und schneller, und die generierten 3D-Modelle haben durch Feinschliff beim Rendering, Farbmanagement, HDR sowie GPS-Einbindung auch für die Außenansichten und
normalen und 360-Grad-Fotosets, die man damit erzeugen kann, ein verkaufbares Profilevel erzeugt. Einmalig dabei: die Verschmelzung von normalem Standbild, 360-Grad-Sphäre, 360-Grad-VR-Stereo und zuletzt 360-Grad-VR-Stereo-3D mit Ebenen und verlinkten Räumen, das Ganze plus Außenansichten und mit 136-Mbyte-HDR-Auflösung.

Es ist daher kein Wunder, dass dieses Gerät für Aufmerksamkeit sorgt. Allerdings bisher weniger bei Fotografen, die vielleicht noch gar nicht wissen, was da auf sie zukommt. Aber bei Immobilienprofis wie der Firma Immoprofi von Andre Zahedi in Darmstadt, die über viele Jahre schon hochwertige Fotos für ihre Immobilienangebote verfertigt, zuletzt mit Sony und Canon, eigenem Webauftritt und mehrfach prämierten Präsentationen.

Zahedi ist einer der Ersten in Europa, der das neue Matterport-Modell schon vor Monaten bestellt hatte und nun seit ca. einem Monat damit arbeitet. digit! Autor Stefan Steib hatte die Gelegenheit, ihm bei einer Produktion für ein schickes Einfamilienhaus über die Schulter schauen zu können.
Virtuelle 3D Immobilientour

Die Scan-Aufnahmen

Dreißig Sekunden dauert ein Scan für eine 360-Grad-Umdrehung, bestehend aus sechs 60-Grad-Segmenten für sechs Einzelshots. Das ergibt 10 Millionen 3D-Datensätze pro Sekunde. Fertig gestitcht, sind das Ergebnis 136 MB große Datensätze, die sich als 360-Grad-Stereo-Kugelpanoramen präsentieren. Bei den Matterport-Aufnahmen passiert noch etwas anderes als bei normalen Panoramaaufnahmen: Der eingebaute IR-Strahler projiziert ein spezielles geometrisches Muster auf Interieur, Wände, Türen usw. Und das aus verschiedenen Winkeln, sodass die spätere Computerverarbeitung daraus die komplette Geometrie und 3D-Daten der fotograen Räume berechnen kann. Wie beim Rendern in einem 3D-Spiel wird dann den jeweiligen Fotos der Sphären eine genaue Position in den erzeugten 3D-Modellen zugewiesen (Textured Meshes), sodass man beim Betrachten jene beliebig entzerren, drehen und dadurch gleichabständig (equirectilinear) zuweisen kann.
Matterport 3D Kamera
Man hilft der Software dabei, indem man in die 3D-Roh-Vorschaudaten Fenster und Türen einzeichnet, um später am Computer dort einen neuen Raum anzulegen oder bei einem Fenster die Konstruktion Raumdaten beendet. Einen sichtbaren Zenit gibt es bei Matterport nicht, der Aufnahmestandpunkt (Nadir) wird automatisch weichgezeichnet und ist praktisch ebenfalls kaum sichtbar. Für ein Haus in dieser Größe braucht man rund 200 Stützpunkte (Sphären), damit jeder Winkel der Räume mit Treppenhäusern, Toiletten, Bädern und Nebenräumen komplett erfasst werden kann. Die nötigen Punkte werden angezeigt.

Die Präsentation

Matterport selbst hat auf der gesamten Webseite ziemlich viel dafür getan, die Präsentationen möglichst einfach zugänglich zu halten, was allerdings dann auch etwas starre Standards erzeugt. Tatsächlich geht es hier nicht um Kunst, sondern ums Verkaufen (da zeigt sich die traditionelle US-Vertriebserfahrung, von der kann man noch viel lernen). Für 3D-Online-Präsentation gibt es für und Android die hervorragend funktionierende Matterport-App. Diese setzt auf Googles Cardboard mit Core VR auf, und auch hier findet man wieder werbliche Hervorhebung von Sonderprojekten, geordnet nach Branchen und Themen.

Abbildung links: Nach den ersten Scans entsteht langsam ein Matterport-Grobmodell. Dieses wird langsam mit genug Sphären gefüllt, bis die Software jeden Winkel durchdrungen hat.
Foto Die Präsentation
Foto 1
// Der oben aufgeführte Artikel ist ein Auszug aus dem mit uns geführten Interview und Making-of mit dem Foto-Journalisten Stefan Steib - Ausgabe Oktober/November 2017.

Veröffentlichung der Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von des Foto-Fachmagazins digit! Besuchen Sie auch die Website www.digit.de